KG-Sieglar

Tommy Engel in der Küz: „Jetzt kütt de Sonn“ in unser Veedel

KG-Sieglar: Tommy Engel-Konzert, Foto: Carsten Seim

Wenn man auf den Punkt bringen möchte, was Tommy Engel am 25. April beim fünften Live-Konzert der 1. Großen Karnevalsgesellschaft Sieglar im Saal der Küz auf der Bühne präsentierte, dann ist es wohl „Empathie“. Ein Beispiel dafür ist sein Lied„Denk ich an Dich“. "... ich dräum mich zo Dir hin dis Naach. Du nimbs mich en d´r Ärm“ singt er selbst. Die Suche nach Nähe bestimmt auch sein Lied über den Vater Richard Engel (1903-1974), Mitglied der „Vier Botze“. Darin beschreibt er die besonderen Momente, in denen er als jüngstes von zehn Kindern dem Papa nahe sein durfte. Der war als „d'r Rickes“ Hauptsänger der Gruppe.

Tommy Engels Lieder und Texte lassen Bilder im Kopf entstehen, weil er darin von Figuren und Situationen erzählt, die mitgefühlt werden können. Manchem, der seine Geburt in den 40er- und 50er-Jahren erlebte, werden eigene Erinnerungen kommen, wenn Engel über den eigenen Vater singt:

„Du wors Vatter vun ener jroße Famillich ...

Als kleine Jung han ich off Ding Nöh jesook, doch doch dozo brot m'r vell Jlöck

Wors met dinger 4 Botze ungerwäs, häs Musik jemaat - dich verdröck.

„Verdröck?“

Die Nachkriegs- Kindergeneration hat in Zeiten des Wirtschaftswunders oft wenig von ihren Vätern gehabt. Die wenigen Momente der Nähe waren und sind Glanzpunkte, an die man sich lebenslang erinnert. Für Tommy Engel zählten dazu das gemeinsame Zelten in Runkel an der Lahn oder der Tag, an dem Papa ihm sein Schlagzeug kaufte. Man kann das nicht zurückholen. Denn viele aus dieser Eltern-Generation sind nicht mehr unter uns. Aber man kann die schönen Erinnerungen lebenslang für sich bewahren. Dabei helfen Lieder wie das vom Vatter vun ener jroße Famillich.

Tommy Engels Umgang mit Sprache ist eine seiner vielen besonderen Gaben. Seine Eltern und viele seiner Geschwister sind bereits „angekommen“, wie er sagt. Sie sind eben nicht von uns gegangen, weil sie in unserer Erinnerung weiterleben.

Das Leben liegt Tommy Engel besonders am Herzen.

KG-Sieglar: Tommy Engel-Konzert, Foto: Carsten Seim

Kurz vor seinem Auftritt stand er gemeinsam mit dem Pianisten Jürgen Fritz sowie dem Gastgeber KG-Präsidenten Marco Esch sowie Uwe Schmidberger ein paar Minuten am Bühneneingang der Küz und schaute auf die Bäume. „Ich liebe den Frühling“, sagte er, zog an seiner Zigarre und setzte hinzu: „Die Blätter an den Bäumen sind noch so jung und zart, sie sehen nicht so aus, als ob sie gleich herunterfallen werden.“ Keine halbe Stunde später singt er: „Ich han leever wenn et Sommer es.“ „Em Sommer es et wärm, em Sommer es et schön – jrön.“ Geht es authentischer?

Tommy Engel ist ein Geschichtenerzähler. Als Bühnenprofi mit jahrzehntelanger Erfahrung hat er viele seiner Histörchen schon hunderte Male zum besten gegeben. Doch seine Freude daran scheint immer wieder aufs Neue ebenso groß zu sein wie die seiner Zuhörer. Moderation und Lieder verschmelzen dabei bruchlos.

Liebevoll beschreibt er skurrile und schräge Typen wie den Nachbarn aus dem Veedel mit Mischlingshund „Spike“, der vorne aussieht wie ein Schäferhund und nach hinten gaaanz lang wird. Wenn Engel  anschließend „Platz!“ sagt, hat man „Spike“ vor Augen, wie er auf dem Kölner Trottoir auf kurzen Beinchen tiefergelegt unterwegs ist. Im Leben und im Veedel ist eben nobody perfect. Aber was hätten wir dann auch zu verzälle? Und „Spike“ hilft uns, die eigenen Unzulänglichkeiten humorvoll zu akzeptieren. Ein bisschen zu kurz, zu breit, zu lang etc. empfinden wir uns ja alle ... :-)

Beim „Saunaboy“ hilft Tommy Engel der Phantasie mit einem Bademantel nach: „... ich ben d'r Saunaboy – Saunaboy Et Barbara us Sansibar.“

Immer bleibt er in seinen Beschreibungen liebevoll. Es geht darum, Bilder seiner Beobachtungen in die Köpfe der Zuhörer zu tragen. Miljö eben. Heimat. Nachbarschaft. Und Erinnerung. Auch an die eigenen Anfänge bei Bands wie den Luckies, den Black Birds oder den Tony Hendrik Five, die in der Beat-Ära Songs berühmter internationaler Vorbilder coverten. An diesem Abend – und sicher nicht nur hier – bekannte sich Tommy Engel als Fan George Harrisons. „Here comes the sun“ – Jetzt kütt de Sonn – dem wohl gefühlvollsten Beatle hat Engel eine kölsche Hommage gewidmet. Wir haben es gern gehört und uns gemeinsam mit ihm an George Harrison erinnert. Auch er ist bereits "angekommen", am 29. November 2001 verstorben.

Wir haben uns köstlich über Engels´ Zulu-Reggae-Version von „Drink doch ene met“ amüsiert. Und zum Schluss haben wir gemeinsam das Veedel-Lied gesungen.

Wat och passeet

dat Eine es doch klor

et Schönste, wat m'r han

schon all die lange Johr

es unser Veedel,

denn he hält m'r zosamme

ejal, wat och passeet.

Wir singen es immer wieder. Weihnachten beim Pompe Jupp, viele Male in der Session und im Frühjahr bereits zum fünften Mal gemeinsam mit Tommy Engel in der Küz. Seine Konzerte sind Konstanten des Wiederhörens und Wiedersehens. Wir freuen uns schon auf 2016.

Bericht und Fotos: Carsten Seim für die 1. Große Karnevalsgesellschaft Sieglar von 1925