KG-Sieglar

Tommy Engel 2018 und die glorreichen 7 in der Küz

Tommy Engel 2018 in Sieglar. Foto: Carsten Seim

Zum siebten Mal empfing KG-Präsident Marco Esch am 21. April den vielleicht größten lebenden Kölner Sänger: Tommy Engel & Band. Das ist in Engels Fall natürlich bezogen auf das künstlerische Niveau gemeint, das er gemeinsam mit seinen Mitmusikern, allen voran der virtuose Pianist Jürgen Fritz, verkörpert. 360 Zuschauer im ausverkauften Saal Zur Küz, es war wie ein Treffen unter Freunden und wohlige Rückschau eines Interpreten, der mit seinem Publikum gereift ist. Engel präsentiert bei seinen Auftritten nicht weniger als ein Lebenswerk.

Tommy Engel 2018 in Sieglar. Foto: Carsten Seim

Es war wie jedes Jahr, nur noch schöner. So wie ein guter Rotwein reift und dann immer noch besser mundet. Engel traf die Geschmacksnerven des Publikums, und die Gastgeber ganz offenbar die seinen. Nirgendwo habe man backstage ein besseres Catering als in Sieglar, erklärte er vor dem Einstieg ins Programm. Gut essen und trinken können wir bei der KG in Sieglar. Stimmt. Tommy Engel & Co. revanchierten sich mit wunderbarem Zusammenspiel. Der Frontmann ist mit leicht melancholischer sparsamer Mimik unterwegs. Jede Geste zeigt seine ganze Bühnen-Routine. Der 1949 geborene Musiker stand 1959 erstmals vor dem Mikrophon. Er kennt die Wirkung jeder seiner Bewegungen, wenn er beispielsweise den Mikroständer leicht neigt oder sich nachdenklich auf den weißen Flügel von Jürgen Fritz aufstützt.

Tommy Engel 2018 in Sieglar. Foto: Carsten Seim

Die Zuschauer und -hörer lieben diese mit kölschen Humor garnierte retrospektive Melancholie . Mit drei Akkorden könne man einen Hit schreiben, erklärt Engel und stimmt das Lied vom Meiers Kättche an. Beseelt sang man in den Rängen mit: "Ming eetste Fründin dat wor et Meiers Kättche un ich fuhr mem Rädche Daach für Daach zo im." Die Bühne war über weite Strecken in gedämpftes Rembrandt´sches Licht getaucht.

Tommy Engel 2018 in Sieglar. Foto: Carsten Seim

Tommy Engel ist voller Geschichte und Geschichten, die er in lupenreinem Kölsch erzählt. So klingt vieles weicher als es vermutlich in der Realität seines bewegten Lebens gewesen ist, wenn er zum Beispiel über seinen Austritt bei den Bläck Fööss im November 1998 spricht. Oder über seine Herkunft als eins von zehn Kindern der Familie von Richard "Rickes" Engel, Mitglied der Mundartgruppe De Vier Botze.

Wir erlebten ihn auch wieder als "Saunaboy" im Bademantel. Backgroundsängerin Frauke Harder half ihm hinein, und Tommy Engel schlüpfte in die Rolle des "Brunge Jupp". Ein Hauch von Rotlicht in der Küz: "Su ne Ovend, dä wed lang. Ich ben d'r Saunaboy - Saunaboy. Dann läje ich mich supercool
bei et Heidi en d'r Wirbelpool." Wir warten jedes Jahr aufs Neue auf diese wunderbaren Geschichten. Vom Kättche bis zum Saunaboy sind sie uns allen zu Freunden geworden.

Tommy Engel 2018 in Sieglar. Foto: Carsten Seim

Herausragend wie immer ist das auch von erkennbarer gegenseitiger Sympathie getriebene Zusammenspiel der Band. Dass sie auch dynamisch kann, zeigte sie an diesem Abend mit ihrer Interpretation von "Äppel sind kein Birre": "D'r Dach es lang - se schwaden vill, Du merks et schnell - wammer dich lieme will. Denn met d'r Zick - do hästet kapiert. Un pass jot op - wä dich hofiert." Diese Zeilen hat er 1998 getextet. Lebenserfahrung pur, die auch der Autor dieses Artikels nachvollziehen kann.

Text und Fotos: Carsten Seim für die 1. Große Karnevalsgesellschaft Sieglar