KG-Sieglar

Lööre Mädche erlebten Sessions-Premiere der Fööss

Und das 360 Grad-Panorama all dessen, was der rheinische Karneval zu bieten hat

Ladies first und exklusiv! „Das ist unser erster Sessionsauftritt“, informierten die Bläck Fööss die weibliche Zuhörerschaft bei der ersten Mädchensitzung der 1. Großen Karnevalsgesellschaft Sieglar am 6. November 2015. Und die „Mutter aller kölschen Bands“ (KG- und Sitzungspräsident Marco Esch) war wirklich sehr gut drauf – vom Bickendorfer Büdchen bis zu Ming eetste Fründin. Neue Lieder hatten sie auch mitgebracht – eines handelt von Liebe, weil es davon zu wenig gebe in dieser Zeit.

Geliebt wurden die Fööss an diesem Abend. Standing Ovations, seliges Mitsingen zu Meiers Kättche. Rauschenden Applaus erlebten auch die Paveier, die Räuber und Querbeat – eine wirkliche Urgewalt der schrägen Blasmusik. Nie mih Fastelovend, nie mih rud un weiß, nie mih Fastelovend – ohne dich. Aus Querbeat wurde zum Sitzungs-Finale querdurchdieKüz, weil die Musiker de Mädchen zu einer Spontan-Polonaise animierten. Doch jetzt der Reihe nach.

Martin Schopps hatte die nicht leichte Aufgabe, als Redner die Schar aufgekratzter Jeckinnen auf Karnevalskurs zu bringen. Ist ja auch irgendwie klar: Frau hat sich schließlich eine karnevalsfreie Zeit lang nicht gesehen und deshalb erst einmal viel zo verzälle. Schopps erreichte seine Zuhörerinnen mit prallen Gags – er benannte in seinen „Nachrichten des Jahres 2040“ die griechische Insel Lesbos in „Hellas von Sinnen“ um, und Bayern-Kicker Bastian Schweinsteiger mit Rücksicht auf den Islam in „Nutztier-Kletterer“. Das war sein Satirebeitrag zu St. Martin, das manche ja aus demselben Grund in „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ umbenennen wollen oder es bereits tun. Karnevalistische Satire erhellt manches, und man muss dabei nicht einmal immer die Lampe an haben.

Die Pavaier beglückten das Publikum mit Heimat es. Zitat: Heimat es jo nit bloß e Woot nur Heimat es, wo du nit abseits stehs. Das war ehrlich gesagt an diesem Abend physisch unmöglich. Wenn alle Mädchen im vollen Saal standen, gab es fast kein Durchkommen mehr. Schön ist das Leben – scheissejal wie alt mer sin, mir ston immer midden drin – das Abschiedslied der musikalischen Pflasterer bot den Soundtrack zur Lage auf den Rängen. Erstmals dabei: Markus Steinseifer, Jahrgang 1963, hat das Zeug zum neuen Mädchenschwarm. „Er sieht aus wie der junge Chris Christoffersen“, so eine Teilnehmerin. Nun denn. Steinseifer löste den legendären Bodo Schulz ab, der nach 31 Jahren in der Band Abschied nahm.

Dirty Guido Cantz erntete Lacher mit seinen Sottisen über uns Kölle. Dem Sinne nach: Wir können keine Brücken, keine Wahlzettel und keinen fließenden Verkehr: „Neulich stand ich im Stau und hatte 8000 Follower.“ Natürlich hatte der Mann mit dem blonden Kurzhaarschnitt und dem roten Jacket auch einen zu Volkswagen im Rohr und verknüpfte zurückliegende Reisen zu leichten Mädchen in Brasilien mit der aktuellen Misere um die Abgaswerte von Fahrzeugen aus Wolfsburg: „Im Puff ist nicht gut, Auspuff ist auch nicht gut.“ Und natürlich hat Berufsspötter Cantz auch die DFB-Turbulenzen um das Sommermärchen im Visier. Märchen seien doch generell „gelogen“, meinte er und verwies unter anderem darauf, dass Rapunzel in der Realität nicht ihr Haar heruntergelassen hätte, sondern einfach heruntergegangen wäre und die Tür aufgemacht hätte. Okay, leichter hätten sie es die beiden damit auch im Märchen gehabt.

Die Räuber hatten ein Heimspiel mit Textzeilen wie dieser hier: „Ja, was wär’n die Männer ohne Weiber?  ... Ja, dann gäb es auch kein Paradies. Denn Adam war erst glücklich, als sich Eva sehen ließ!“ Kein Widerspruch vonseiten des Autors.

Achnes Kasulke, eigener Angabe nach „letzte deutschsprachige Putzfrau vor der Autobahn“, amüsierte mit derben Histörchen aus dem „Schlaff-Zimmer“ ihres fiktiven Ehemannes „Erwin“. Achnes, die im wirklichen Leben Annette Esser heißt, punktete mit nachfolgender in eine Frage gekleidete Lebensweisheit: „Warum sollte man, solange man noch auf der Suche nach dem Richtigen ist, in der Zwischenzeit nicht Spaß mit den Falschen haben?“ Auch zur Digitalisierung hatte sie Sachdienliches beizusteuern: „Überall ipods, iphones – und ich habe nur meinem Eimer.“ Und einen weiteren wichtigen Trend hatte sie auch bereits im Blick: „Ich habe mir eigens ein Boxspringbett gekauft, damit der Bock endlich wieder springt.“ Dennoch weiter tote Hose. Schade irgendwie.

Die Rheinveilchen, Tanzkorps mit Küz-Abo bei KG-Veranstaltungen, begeisterten mit neuem Tanzoffizier und gewohnt waghalsiger Akrobatik.

Als Lukas Podolski in Galatasaray-Trikot und Maske ausstaffiert stürmte Blom un Blömcher-Frontmann Hannes Blum den Saal. Die Verkleidungen der auch musikalisch hoch professionellen Karnevalsparodisten sind optische Zwerchfellkracher. Köstlich war Hannes Blums Staffage als Queen und Sohn Oly mit aufgesetzten abstehenden Ohren und grauem Toupet als frustrierter Prinz Charles.

Es folgten die beiden Endspiele von den Bläck Föös und Querbeat. Die Mädchensitzung war ein 360-Grad-Panorama des rheinischen Karnevals aus der Feder von KG-Literat Matthias Esch.

Anschließend Disko mit DJ Jürgen Zimmermann im Foyer der Küz.

Immer wieder erwähnenswert sind die wunderbaren Kostüme der schönen jecken Ladies von Sieglar. Diese erste Mädchensitzung ist stets ein jecker Catwalk. Schaut Euch die Bilder an!

Bericht und Fotos: Carsten Seim für die 1. Große Karnevalsgesellschaft Sieglar.