KG-Sieglar

Der Bürgermeister und der Karneval

.. und warum er nicht Hüttener Jungfrau werden konnte

Im Interview mit Carsten Seim spricht Troisdorfs Bürgermeister Klaus-Werner Jablonski über seine Leidenschaft für den Karneval, und was es für ihn bedeutet hat, einmal Prinz gewesen zu sein. Das Interview entstand im Jahr 2011 für die Webseite der Könige vom Pompe Jupp e. V.

Carsten Seim: Herr Bürgermeister, was bedeutet Karneval für Sie persönlich?

Klaus-Werner Jablonski: Meine Leidenschaft für den Karneval kommt aus meiner Familie. Als früherer Spicher bin ich mit den Bleimöps groß geworden. Mein Vater war in den 60-er Jahren Adjutant des Spicher Prinzen. In der Session 1987/88 war ich im Gefolge des Bleimöps-Prinzen Heinz I., im bürgerlichen Leben Heinz Freyaldenhoven. Kurz darauf bin ich meiner Frau nach Friedrich-Wilhelms-Hütte gefolgt. Seitdem engagiere ich mich dort.

"Frage nicht, was der Karneval für Dich tun kann, sondern frage, was Du für den Karneval tun kannst" – was tun Sie ganz persönlich für den Karneval?

Klaus-Werner Jablonski: Karneval ist bei den Jablonskis eine Familien-Angelegenheit. Ich war Adjutant bei Prinz Juppi, dem langjährigen Präsidenten der Hüttener KG Halt Pool. 2003 war ich selbst Karnevalsprinz dort ...

... und informierte Kreise wollen wissen, dass Sie in der aktuellen Session beinahe Jungfrau im neuen Dreigestirn geworden wären ...

Klaus-Werner Jablonski: (Lacht.) Das stimmt. Aber meine Aufgaben als Bürgermeister lassen das nicht zu. Mein 22-jähriger Sohn hat dieses Amt im neuen Hüttener Dreigestirn, das ja auch für ganz Troisdorf mit antritt, übernommen. Ich beteilige mich mit einem Zuschuss daran.

Wie kam es dazu, dass Sie nach der närrischen Regentschaft 2003 noch einmal ins Narrengewand der Jungfrau steigen sollten?

Klaus-Werner Jablonski: Das war eine Absprache aus der Session 2003. Der heutige Prinz Jörg I. war seinerzeit Jungfrau. Nun ist er selbst Prinz. Und damit war unsere Familie an der Reihe, die Jungfrau zu stellen. Ich kann das wegen der Terminlage nicht übernehmen – leider. Deshalb ist mein Sohn in die Bresche gesprungen.

Prinz zu sein, das ist ein zeitlich und auch finanziell anspruchsvolles Ehrenamt. Sie haben die Erfahrung 2003 gemacht. Lohnt sich der erhebliche Aufwand?

Klaus-Werner Jablonski: Das ist wie im Lied „Eimol Prinz zo sin“. Dass musst Du einfach einmal im Leben gemacht haben! „Sons häste jet versäump!“ Das ist unvergleichlich schön. Das macht unheimlich viel Spaß. Wie froh die Menschen sind, wenn Du als Prinz mit Deinem Dreigestirn auftrittst. Das ist ganz sicher mehr wert als die Belastungen die das Amt mit sich bringt. Das sind lebenslange Erinnerungen. Ich habe auf der Hütte knapp 100 Termine. Von Anfang November bis zum Aschermittwoch.  

Prinzenproklamation 2014. Klaus-Werner Jablonski mit Prinz Stephan I. Foto: Kay-Uwe FischerFoto: Kay-Uwe Fischer

Der Bürgermeister und seine jecke „Groß-Familie“

Wie ist Ihre Frau mit den Belastungen umgegangen?

Klaus-Werner Jablonski: Sie war im Gefolge und hat sich stets sehr im Karneval engagiert – zum Beispiel als Trainerin beim Hüttener Männerballett Hubertusnymphen, wo auch ich als junger Mann mitgetanzt habe. Ihr Mädchenname ist „Groß“. Gemeinsam haben wir uns in früheren Zügen einen Spaß daraus gemacht, als „Groß-Familie“ eine Fußgruppe zu bilden. Meine Frau ist auch in der aktuellen Session für die Kostüm-Entwürfe und die Idee des Tanzes verantwortlich. Sie hat das Lied ausgewählt, zu dem das Hüttener Dreigestirn in dieser Session tanzt: „Mamma Mia" von Abba. Das ist ein Faible meiner Frau und spricht auch jüngere Karnevalisten an. Das ist mir besonders wichtig.

Warum?

Klaus-Werner Jablonski: Weil Karneval über die Generationen weitergegeben werden muss. Er kann nur weiterleben, wenn sich junge Leute finden, die bereit sind, sich dafür ehrenamtlich zu engagieren.

Was muss dafür geschehen?

Klaus-Werner Jablonski: So wichtig die Überlieferung der Tradition zum Beispiel von Prunksitzungen ist:  Wir brauchen darüber hinaus spezielle Angebote für die Jugend. Junge Leute wollen weniger Prunk in Abendkleidung und Anzug, stattdessen mehr Kostüm-Spaß auf einem jecken Dancefloor. Der Verein, der über diesen Spaß die meisten jungen Leute anzieht, wird später am besten in der Lage sein, Nachwuchs für die Pflege des Brauchtums zu finden. Wie das geht, zeigt beispielsweise der Ortsring Sieglar mit seiner Kostüm-Party am 5. März in der Küz. Tim Toupet und Achim Petry ziehen auch eine jüngere Klientel an. Auch den sehr aktiven Junggesellenverein Frohsinn in Sieglar möchte ich erwähnen. Auf der Hütte bringt mein Sohn aus dem Fußball heraus viele junge Leute in den Junggesellenverein. Wenn man die für das Ortsleben begeistern kann, dann ist das auch eine Chance für den Karneval.

Warum die Vereine noch mehr für die Jugend tun sollten

Brauchen wir auch mehr junge Bühnenkräfte?

Klaus-Werner Jablonski: Ganz sicher. Denn auch die Bläck Fööss werden nicht ewig weitermachen. Deshalb sollten die Vereine bei ihren Veranstaltungen auf eine gute Mischung setzen. Große Namen, damit die Zuschauer kommen – und junge Talente aus der Region mit einem eigenen jungen Bekanntenkreis, die sich vor großem Publikum erproben können – das macht die Mischung.

Wer ist denn Ihr Lieblingsredner im Karneval?

Klaus-Werner Jablonski: Ich  mag aktuell den Blötschkopp am liebsten. Er spielt mit dem Publikum und spult nicht einfach ein vorbereitetes Programm herunter. Ich erinnere mich an einen Gag: „Seid ihr hier, weil ihr Spaß habt – oder haben Euch die Russen die Heizung abgestellt zuhause“. Er nimmt auch einzelne Zuschauer mit selbstironischem Unterton hopp: „Sie gucken mich an als ob sie das nicht interessiert. Aber ich habe 20 Minuten, da müssen Sie durch!“  Wer dazwischen redet, wird mit einem „Sitz!“ beschieden. Das ist wirklich köstliche rheinische Situationskomik. Der Blötschkopp ist einer, der wie auch Guido Cantz und Bernd Stelter ein jüngeres Publikum ansprechen kann. Warum das so wichtig ist, habe ich bereits ausgeführt.

Haben Sie eine karnevalistische Lieblings-Hymne?

Klaus-Werner Jablonski: Ich habe zwei Lieblingslieder. „Halleluja“ von Brings. Das ist ein Lied, das alle Altersklassen im Karneval anspricht und vom Arrangement her auch für den jecken Dancefloor der Jüngeren taugt. Und natürlich die “superjeile Zick“. Das war unser Lied, als ich Prinz auf der Hütte war. Da haben wir drauf getanzt.

Was tun Sie als Bürgermeister für den Karneval?

Klaus-Werner Jablonski: Wir versuchen bei ganz praktischen Problemen zu helfen. Früher gab es in unserer Region viele Bauernhöfe. Dort hatten Karnevalsvereine Möglichkeiten, ihre Wagen außerhalb der Session abzustellen. Das geht heute vielfach nicht mehr. Wir haben als Stadt dem Festausschuss Troisdorf ein Gelände in Spich verpachtet. Der Festausschuss Troisdorfer Karnevals wiederum ermöglicht es Vereinen, ihre Wagen gegen ein Unkostenentgelt dort abzustellen. Zurzeit arbeite ich daran, eine zweite Halle in Troisdorf-West für den Festausschuss zu gewinnen, wo auch Wagen untergestellt werden können.

Ortsteil-übergreifende Zusammenarbeit über den Festausschuss kann den Vereinen auch bei der Verpflichtung von Rednern und Bands bei den Sitzungen helfen. So haben die Sieglarer und die Troisdorfer Altstädter zeitgleich Termine. Es motiviert prominente Kräfte des Karnevals, in eine Region zu kommen, wenn sie dort an einem Abend zwei Termine haben.

Gemeinsam mit den Ortsringvorsitzenden - wie zum Beispiel Matthias Esch - bemühe ich mich auch darum, den zentralen Sonntagszug in Troisdorf noch attraktiver zu machen. Die Jecke Lööre aus Sieglar sind dieses Jahr erstmals auch in Troisdorf unterwegs. Das freut mich sehr.

Über Karnevals-Hochburgen unter den Troisdorfer Ortsteilen



Wenn Sie sich die einzelnen Ortsteile anschauen, gibt es da besondere Karnevals-Highlights für Sie?

Klaus-Werner Jablonski: Jeder, der sich ehrenamtlich im Karneval engagiert, leistet etwas besonderes für seine Nachbarschaft und ist für mich damit ein Highlight. Ob und wie sich ein Ortsteil hervortut, hängt immer auch stark von den Persönlichkeiten vor Ort ab. In meiner Jugendzeit war das karnevalistische Engagement in Spich wirklich außergewöhnlich. Auf der Hütte ist es stets hoch. Sieglar hat aufgrund seiner beeindruckend lebendigen Vereinslandschaft und aufgrund des Engagements des Ortsringvorsitzenden Matthias Esch einen fulminanten Karneval. Die Bergheimer machen zurzeit auch einen sehr guten Karneval – die KG Grün-Weiß Bergheim hat hier einen wichtigen Anteil. Diese Gesellschaft hat auch den Sprung hin zu den Jüngeren geschafft.

Wir würdigen die in allen Troisdorfer Ortsteilen lebendige Karnevalstradition mit unserer eigenen Serie von Karnevalsorden unter dem Motto „11 plus 1“ – elf Stadtteile und das alte Troisdorf selbst. Im vergangenen Jahr gingen wir mit Altenrath an den Start. In diesem Jahr sind die „Frösche“ in Bergheim an der Reihe.

Uwe Schmidberger, Sieglarer Prinz der vergangenen Session, sagt, dass Karneval gelebte Nachbarschaft sei. Ne Bergische Jong bezeichnet es als göttlich, dass Karneval so viel Verschiedenes unter einen Hut bringen kann. Und was sagen Sie?

Klaus-Werner Jablonski: Karneval ist sicher klassenlos und bringt Menschen aus allen Schichten und Altersgruppen zusammen, die sich sonst nicht begegnen. Im Prinzengefolge auf der Hütte ist die Älteste 83 Jahre alt – und die jüngsten sind gerade einmal 10.

Wie Troisdorfs Bürgermeister die Zukunft des Karnevals sieht

Wie sehen Sie die Zukunft des Karnevals in der Region?

Klaus-Werner Jablonski: Die Grundstimmung dafür ist sicher gut. Die Menschen besinnen sich in der Globalisierung auf ihre Heimat und Nachbarschaft. In den Siebziger Jahren galt es noch als unschicklich, Platt zu sprechen. Heute ist der heimische Dialekt nicht nur im Karneval, sondern auch in allen anderen Ebenen der Gesellschaft hoffähig. Ja, in Köln kommt es gar vor, dass manche darüber indigniert sind, dass der Oberbürgermeister nicht Platt spricht. Ich spreche nicht perfekt Kölsch, aber ich habe natürlich als Einfärbung in der Sprache, die auf meine Heimat – das Rheinland – verweist. Und das finde ich gut so.

Was an den Rheinländern ist denn so besonders?

Klaus-Werner Jablonski: Rheinländer sind tendenziell toleranter als andere. Und im Rheinland ist man immer auch einmal in der Lage, fünfe gerade sein zu lassen. Bevor man allzu grundsätzlich wird, lässt man auch schon mal eine Ausnahme zu, wenn es der Sache hilft. 


Wie schätzen sie die Bedeutung des Karnevals für das Rheinland ein?

Klaus-Werner Jablonski: Das Rheinland hat mit dem Karneval, so wie wir ihn feiern, ganz sicher ein Alleinstellungsmerkmal, das wir noch stärker herausstellen sollten. Über den Partnerschaftsverein kommt eine Gruppe aus Korfu zum Karneval nach Troisdorf. Die wollen sich dabei ganz bewusst den Karneval bei uns anschauen. Wir planen im Rosenmontagszug 2012 einen Wagen, auf dem die Bürgermeister unserer Partnerstädte mitfahren und Kamelle werfen können. Ich bin sicher, dass sie nach der Begeisterung, die sie bei diesem Zug erleben, als Botschafter des rheinischen Karnevals nach Hause fahren werden.

Interview: Carsten Seim, Foto: Kay-Uwe Fischer