Das brings! Das höchste der Gefühle zum Sessionsauftakt in Loor



Kasalla, Räuber, Querbeat, Klüngelköpp
und Brings im Finale hatte KG-Literat Matthias Esch am 9. November zur ersten Sieglarer Mädchen-Sitzung zusammengestellt. So geriet das von KG-Präsident Marco Esch moderierte Zusammensein der wie immer sehr kreativ gewandeten jecken Holden zum fulminanten rheinischen Konzertabend. Nach umjubelten Auftritten schoss Brings den Vogel ab: druckvolle Hardrock-Riffs, düstere Bühnenbeleuchtung, und in einem Lichtkegel stehend zeigte Brings-Bassist Stephan Brings, was er unterm Schottenrock trägt – Persiflage gehört zum Karneval. Aber jetzt mal im Ernst: Brings rockt. Sie waren aus Sicht des Autors musikalisch und von der Performance her der Höhepunkt dieser ersten Mädchen-Sitzung. Sie sprengen die Grenzen des Musik untermalten Brauchtums bei weitem. Mehr davon!

Den Eisbrecher, wie es KG- und Sitzungspräsident Marco Esch gern formuliert, hatten Kasalla gegeben. Pirate, Stadt met K, Konfetti und Pyrotechnik. Ein langsames Hineingleiten in diese Sitzung war nicht möglich. Es knallte von Anfang an.

Achnes Kasulke „ist die Putzfrau mit dem losen Mundwerk, das schneller schießt als ihr Feudel“, schreibt der WDR über diese Rednerin, die mit bürgerlichem Namen Annette Eßer heißt. Und so, wie es bei Herrensitzungen gelegentlich deftig zu geht, ließ sie es für die Mädchen krachen. Dem Sinne nach ein fiktives Gespräch im Haushalt Kasulke: Sohn fragt Papa Erwin, ob er wisse, wo der G-Punkt sei. Antwort: Frag doch Mama, die räumt hier doch immer auf.

Die Räuber, von Sitzungspräsident Marco Esch gern als „KG-Hausband“ apostrophiert, glänzten mit ihrem Sessionshit „Für die Iwigkeit“. Viele Mädchen hingen an den Lippen von Frontmann Torben Klein. Er ist im Foyer der Küz vielgefragtes Selfie-Motiv. Viele vor allem weibliche Fans werden bedauern, dass er die Räuber nach der Session 2018/2019 verlassen wird.

Dave Davis, Komiker mit ugandischen Eltern, begeisterte in der Rolle des fiktiven Toilettenmannes Motombo Umbokko. Seine von Sprachwitz und dem Jonglieren mit Vorurteilen geprägten Pointen sind grob und auch feiner geschnitzt. Die grobe Variante dem Sinne nach: „Als ich nach Deutschland ging, kam ich zuerst nach Bayern, das Land der Zeugen Seehofers. Ich hatte zuvor gehört, dass die von den Schwarzen regiert werden. Dabei waren die alle weiß!“ Nun denn – Dave Davis ist jedenfalls Träger verschiedener Kabarettpreise und im wirklichen Leben gelernter Versicherungskaufmann.

Dem in Deutschland aufgewachsenen Afrikaner folgten Querbeat mit schrillem Brass-Sound. Natürlich präsentierten sie „Guten Morgen Barbarossaplatz”: Bist du auch noch wach? Hast du auch die letzte Nacht wieder durchgemacht? ... Und alle machen Stippefott. So sexy. Links, rechts, links, rechts. Und alle machen Stippefott. So sexy. Links, rechts, links, rechts ... Gesungen und auf der Bühne gleich ausgeführt. Very funky! Gegründet von Erhard Rau, Trompeter bei Köbes Underground, ist die aus Bonn stammende Truppe inzwischen Deutschland-weit auf Tour.

Kurze Atemphase mit Martin Schopps. „Psst“ kam vom Elferrats-Podium. Ein Redner war angekündigt. Martin Schopps, hauptberuflich als Berufsschullehrer aktiver Sänger und Redner, gefiel mit Anekdoten aus seinem Berufsschulalltag.

Die Klüngelköpp ließen die Stääne am Himmel der Küz danze und begeisterten mit Trommelkaskaden.

Und dann marschierten zur Traumschiff-Melodie mitsamt Musikkorps und Shanty-Chor die eigenen Angaben nach „schärfsten Schenkel von Köln“ ein: die StattGarde Colonia Ahoj e. V. Gejohle im Saal, als sich die Tänzer die Oberteile ihrer feschen Torrero-Monturen vom Leib rissen. Das war männlicher Gardetanz in Perfektion mit grandiosen Hebefiguren. 2003 hat die „damals als noch völlig unbekannte Karnevalsgesellschaft ... Wurzeln im Rosa Karneval geschlagen“, schreibt die Truppe über sich selbst. Seit 2018 sind sie ordentliches Mitglied im Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V. – und das zu Recht, wie jeder sagen wird, der sie und ihre Begeisterung für den Karneval einmal erleben durfte.

Cat Ballou – mit neuem Schlagzeuger Hannes Feder, der Michi Kraus an den Drums abgelöst hat – begeisterten natürlich mit Et jitt kei Wood und als Zugabe mit der Hip-Hop-Hymne an die Dom-Metropole: Liebe Deine Stadt – 2016 gemeinsam mit Mo-Torres und Lukas Podolski eingespielt. Update vom 11.11.: Im Interview informieren die sympathischen Jungs darüber, dass für ihr Jubiläumskonzert "20 Jahre Cat Ballou" am 12. Oktober 2019 (!) bereits 4000 Tickets verkauft sind. Wer sie aus der Nähe sehen will, kommt zu den Sitzungen der 1. Großen Karnevalsgesellschaft Sieglar. Hück steiht de Welt still, för ne kleine Moment, wenn mr öm sich röm alles verjiss. So war es an diesem Abend im Saal zur Küz.

Dass es noch Steigerungen für all das geben kann, bewiesen – wie eingangs beschrieben – Brings kurz vor Mitternacht.

Am Tag danach fanden ehrenamtliche Helfer der 1. Großen KG einen Teppich von Konfetti im Saal. Erinnerung an diese grandiose Mädchen-Sause, die alle, die dabei waren, nicht so schnell vergessen werden. Um es mit KG-Präsident Marco Esch zu singen: An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit, an Tagen wie diesen haben wir noch ewig Zeit.

Wie schön, dass das in Sieglar immer wiederkehrt.

Text und Fotos: Carsten Seim für die 1. Große Karnevalsgesellschaft Sieglar

Bilder folgen zeitnah.